« Pasteur Yves Kéler, retraité de l'Eglise de la Confession d'Augsbourg d'Alsace
et de Lorraine (ECAAL)/Union des Eglises Protestantes d'Alsace et de Lorraine (UEPAL)
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*1939 - † 2018

 

LITT POLIT  SOLDAT, SOLDAT, EN GRISE NORME



      SOLDAT, SOLDAT EN GRISE NORME
            Soldat, Soldat, in grauer Norm

                  Wolf Biermann 1965

 


1. Soldat, soldat en grise norme,
Soldat, soldat en uniforme
Soldat, soldat, si nombreux,
Soldat, soldat, ce n’est pas un jeu,
Soldat, soldat, je ne vois pas
Soldat, soldat, tes traits, tes yeux : 
Soldats, sont ressemblants,
Cadavres ou vivants.

2. Soldat, soldat, où donc va-t-on ?
Soldat, soldat, qu’y comprend-on ?
Soldat, soldat, la prochaine guerre
Soldat, soldat, sera sans victoire.
Soldat, soldat, le monde est beau
Comme toi, jouvenceau.
Au bord il y a un grand trou,
Soldat, où tu es debout !

1. Soldat, soldat en grise forme,
Soldat, soldat en uniforme
Soldat, soldat, si nombreux,
Soldat, soldat, ce n’est un jeu,
Soldat, soldat, je ne vois pas
Soldat, soldat, tes traits, tes yeux,
Soldats, se ressemblent tant,
Cadavres ou vivants.


Texte

Soldat, Soldat, wo will das hin ?
Wolf Biermann: Soldatenmelodie
Text und Melodie: Wolf Biermann 1965
fr. : Yves Kéler, 4.4.2014


Texte original

Soldat, Soldat in grauer Norm
Soldat, Soldat in Uniform
Soldat, Soldat, ihr seid so viel
Soldat, Soldat, das ist kein Spiel
Soldat, Soldat, ich finde nicht
Soldat, Soldat, dein Angesicht
Soldaten sind sich alle gleich
Lebendig und als Leich.

Soldat, Soldat wo gehst das hin
Soldat, Soldat wo ist der Sinn
Soldat, Soldat im nächsten Krieg
Soldat, Soldat gibt es kein Sieg
Soldat, Soldat die Welt ist jung
Soldat, Soldat so jung wie du
Die Welt hat einen tiefen Sprung
Soldat, am Rand stehst du.

Soldat, Soldat in grauer Norm
Soldat, Soldat in Uniform
Soldat, Soldat, ihr seid so viel
Soldat, Soldat, das ist kein Spiel
Soldat, Soldat, ich finde nicht
Soldat, Soldat, dein Angesicht
Soldaten sind sich alle gleich
Lebendig und als Leich.
Soldaten sind sich alle gleich
- lebendig und als Leich.
-

anglais
Soldier Soldier
Soldier Soldier in the grey norm
Soldier Soldier in uniform
Soldier Soldier, you're so many
Soldier Soldier, this isn't a game
Soldier Soldier, I don't find
Soldier Soldier, your face
Soldiers seem all the same
Alive and like corpses
Soldier Soldier, what does it mean
Soldier Soldier, where is the sense
Soldier Soldier, in the next war
Soldier Soldier, there will be no winner
Soldier Soldier, the world is as young
Soldier Soldier, as you
The world is completely cracked
Soldier, you're on the brink of the gulf
Soldier Soldier in the grey norm
Soldier Soldier in uniform
Soldier Soldier, you're so many
Soldier Soldier, this isn't a game
Soldier Soldier, I don't find
Soldier Soldier, your face
Soldiers seem all the same
Alive and like corpses


Taken fromhttp://lyricstranslate.com/fr/soldat-soldat-soldier-soldier.html#ixzz2xeP8XxCL

 

Deutsches Kommentar zum Lied

http://www.youtube.com/watch?v=p6wEfr1hALM

Die Liveaufnahme entstand am 19.04.1965 in Frankfurt a/M in einem Konzert, das Biermann zusammen mit dem westdeutschen Kabarettisten Wolfgang Neuss veranstaltete. Hubert Bißkirchen 2005


Biermann ist Liedermacher, also Komponist, Texter, Sänger und Gitarrist in einer Person. Er steht in der Tradition der Folk- und Protestsänger, die seit Bob Dylan in Amerika und Europa immer einflussreicher wurden. Liedermacher verstehen sich als Sprachrohr politischer Entwicklungen. 1936 in Hamburg geboren, übersiedelte Biermann 1953 als überzeugter Kommunist in die DDR, wo er bald wegen seiner kritischen Einstellung zum Regime drangsaliert wurde. Seine Lieder wurden im Westen verbreitet.

Als in Berlin West 1965 die Lyriksammlung „Die Drahtharfe“, die auch das Soldatenlied enthält, erschien, erhielt er Auftrittsverbot. 1976 wurde er (während eines Gastspiels in der Bundesrepublik) ausgebürgert. Biermann ist, zumindest in neuerer Zeit, kein strenger Pazifist. In der Diskussion um die Rechtmäßigkeit des Irakkrieges kritisierte er 2003 die in Deutschland stattfindenden Friedensdemonstrationen und sprach von 'Hurra-Pazifisten'. Selbstkritisch steht er seinen eigenen früheren utopisch-totalitären Positionen („die Erde wird rot, lebend rot oder tot rot“) gegenüber: „Ich will nicht mehr dieses kindische >Alles oder Nichts<, nie mehr diese fortschrittsselige Alternative >Himmelreich oder Hölle<, nie wieder dieses erlösungssüchtige >Jetzt oder Nie< und nimmer mehr dieses idiotische Schwärmen vom Narrenparadies. Ich will kein Himmelreich erobern, ich will verteidigen. Unsere winzige Erde wollen wir davor bewahren, dass sie nicht vollends zur Hölle wird.“

Biermann ist Atheist und leidenschaftlicher Humanist. Er setzt auf die einzelne Person als entscheidende Instanz für die Entwicklung einer menschenwürdigen Gesellschaft. Diese Einstellung brachte ihn in Konflikt mit dem totalitären stalinistischen Kommunismus. Auch im vorliegenden Song wird die Unverletzlichkeit und Würde des Einzelnen gegen kollektive Vereinnahmung verteidigt. Soldaten stehen hier für die biblische Erfahrung von „Mächten und Gewalten“, die die Menschen unterdrücken. Dass diese Mächte der Finsternis einmal ein Ende finden, ist in der Bibel eine wiederkehrende Verheißung:

„Jeder (Soldaten-)Stiefel, der drohend daherstampft, jeder (Soldaten-) Mantel, der blutbefleckt ist, wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers.“ (Jes 9, 4).

Das Problem bei politischer Musik ist: sie muss einerseits ‚schön’ und klischeehaft sein, um zu fesseln, andererseits aber auch Widerhaken, distanzierende Verfremdungseffekte enthalten, damit der Hörer nicht nur ‚genießt’, sondern auch zum Aufmerken und Denken angestoßen wird.

Musikalische Mittel:
- Klopfen im Takt auf den Gitarrencorpus (● ● ● ●). Dabei werden Akkorde stumm gegriffen, so dass sie leise mittönen
- Klopfen in schnellerem Rhythmus (mit hartem Finger) genau über dem Steg der Gitarre (●● ●●●)
- Pfeifen
- Gitarrenakkorde (im Takt gespielt) ( ▌ ▌ ▌ ▌)
- Singen
- Gitarre solo

Der Kernsatz „Soldaten sind sich alle gleich …“ kommt insgesamt dreimal vor. Am Schluss wird er - als Resümee oder aus Verzweiflung? – geradezu herausgeschrieen. Soldaten werden als uniform(iert)e, im Marschierschritt gleichgeschaltete, entpersonalisierte Masse ohne „Angesicht“ charakterisiert. Unmittelbar Klang wird das durch das „Soldat, Soldat“, das in der addierten Einzahl sich zu einer Marschfigur formiert, die, in jeder Zeile wiederholt, den unaufhaltsamen Drive eines Weges in den Abgrund suggeriert. In diese Maschinerie, die im sprachlichen Duktus die mitreißend-verführerische Kraft der Marschmusik aufgreift, lässt sich, wenn überhaupt, nur eingreifen durch intensive persönliche Ansprache (ich, du). Die Schärfe der Mahnung und die poetische Schönheit der Klangmalerei machen das Gedicht einzigartig.

Die musikalische Darstellung verstärkt die Suggestionskraft des Textes, weil sie das Ganze als Szene sinnlich unmittelbar erlebbar macht: Marschschritte nähern sich, ziehen vorbei, verschwinden in der Ferne. Das lyrische Ich (am Straßenrand) ruft der vorbeiziehenden Truppe seine Warnungen zu. Das unbeschwerte Pfeifen am Anfang wird – kurz vor Beginn der 1. Strophe – ad absurdum geführt: die auf der Gitarre geklopften Marschschritte gehen in einen gehetzten (an Maschinengewehrsalven erinnernden?)

Trommelrhythmus über, der quer zum bisherigen Marschtempo steht („das ist kein Spiel“). Während der ersten Strophe opponiert der Klopfrhythmus erregt gegen den arschierrhythmus. Die (höher gesetzte) 2. Strophe wird dagegen von harten, mit dem Marschierrhythmus gleichgeschalteten Akkordschlägen begleitet. Die Brutalität des Marschierens wird hörbar.

Die 3. Strophe entspricht wieder der ersten. Die folgende (zunächst rein instrumentale) Strophe gibt mit dissonanter Verfremdung des Gitarrenklangs Anlass zum Nach-Sinnen. Sie mündet in den besonders eindringlich gestalteten Kernsatz am Schluss: Das Tempo verlangsamt sich, die gleichmäßige Begleitung gerät ins Stocken. Das Nachspiel kehrt mit seinem fade out den Anfang um. Ungewöhnlich modulationsreich ist insgesamt die zwischen Zorn, Resignation, und Verzweiflung schwankende Stimme des Sängers. Er beugt sich nicht dem Diktat des Marschrhythmus, er steht außerhalb. Manchmal scheint er nicht itzukommen, rennt hektisch dem Grundrhythmus hinterher. Er singt keine ‚schöne’ Melodie, sondern in einem Zwischenbereich zwischen Sprechen und Singen. Das ist ein wesentliches Prinzip der
Distanzierung und Verfremdung. Das Stück ist auch in anderer Hinsicht ein Musterbeispiel für die Brechtsche Verfremdungstheorie: Biermann benutzt ein abgegriffenes Klischee, einen Armeemarsch, parodiert ihn, richtet ihn für seine Zwecke zu.

Im Gespräch mit den Schüler/innen über diesen Song besteht die Gefahr einseitiger Schlussfolgerungen, z.B. Uniform = Entpersönlichung. Das ist nicht grundsätzlich falsch, aber auch nicht grundsätzlich richtig. Hier muss im Unterricht differenzierend gearbeitet werden, indem z.B. gefragt wird: Gibt es auch positive Aspekte einer Uniformierung? Wie ist es mit Schulkleidung, Sportkleidung, Mönchstracht usw.? Das ist wichtig, denn dahinter verbirgt sich das zentrale Problem des Aufeinanderangewiesenseins von Einzelnem und Allgemeinem. Das Gespräch könnte auch auf unsere heutige Vorstellung vom Bürger in Uniform eingehen, die bewusst militaristische Elemente eliminieren will.

 

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